Porträtierte
Objekte
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Das Gleimhaus und seine Porträtgrafiksammlung

Gleimhaus, Halberstadt

Das Gleimhaus ist eines der ältesten Literaturmuseen in Deutschland, eingerichtet im Jahr 1862 im ehemaligen Wohnhaus des Dichters und Sammlers Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) neben dem Halberstädter Dom. Es beherbergt Gleims Handschriftenarchiv, seine Bibliothek und seine Porträtgalerie, seinen sogenannten „Freundschaftstempel“. Bei letzterem handelt es sich um die größte erhaltene Porträtgemäldesammlung deutscher Geistesgrößen des 18. Jahrhunderts (rund 140 Objekte); sie ist vollständig in den „Bildindex der Kunst und Architektur“ integriert.

Mit der Eröffnung des Gleimhauses als Literaturmuseum im Jahr 1862 wurde eine Sammlung von Handzeichnungen und Druckgrafiken angelegt, in die Blätter aus dem Besitz Gleims Eingang gefunden haben dürften. Ende des 19. Jahrhunderts gelangte zudem die Grafiksammlung des Halberstädter Oberdompredigers Christian Friedrich Bernhard Augustin (1771-1856) in das Haus, eine lokalhistorische Porträtsammlung, die nachweislich ebenfalls in Teilen auf Porträtgrafikbestände Gleims zurückgeht. Die Blätter aus der Sammlung Augustin sind vielfach mit ausführlichen biografischen Informationen sowie auch mit Autografen der dargestellten Persönlichkeiten versehen. Im Wesentlichen entspricht ihre Ordnung noch dem traditionellen Gliederungsprinzip nach Herrschafts- bzw. Berufsgruppen, wie es von dem Sammler Augustins eingerichtet worden war.

Die Bestände des Gleimhauses an Porträtgrafik – rund 6000 Blatt, davon etwa fünf Prozent Porträtzeichnungen, darunter eine größere Zahl an Silhouetten – sind ein herausragendes Dokument der bürgerlichen Sammelkultur des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Dem Stifterwillen entsprechend wurden im Gleimhaus vornehmlich Dichter-, Künstler- und Gelehrtenporträts gesammelt. In diesem Bereich weist die Sammlung für die Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert eine besondere Dichte auf.