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Bildnis des Matthäus Zellius

Zell, Matthäus (Dt. ev. Theologe und Reformator; Pastor in Straßburg)

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg; Bilddatei: gmp10618-0927; Aufn.-Datum: 2010

Bry, Theodor de, Stecher
und Boissard, Robert, Stecher
und Jean-Jacques Boissard, Herausgeber, Zeichner
und Matthäus Becker (der Ältere), Drucker

Druckort: Frankfurt (Main)
1597/1599

gerahmt (Architekturrahmen) & gerahmt (bogenförmig) & gerahmt (Ornamentrahmen)

Kupferstich

142 x 107 mm (Blatt); - (Platte)

Die Platte wurde beschnitten.

Titel: MATHIAS ZELL IUS Ecclesiastes Argentinen, Name (Dargestellter) & Beruf, halbrund & 1-zeilig, Anbringungsort: Bogen, lateinisch, Schriftart: Majuskel & Minuskel
Inschrift & Datierung: Nasc. caesarisbergi in (...) A°. 1477. Ob. Argentina, A°. 1448. 9. Jan., 4-zeilig, Anbringungsort: Schrifttafel, lateinisch
Inschrift: Sex et viginti Christum docet impiger annos, Primus et insolitum Zellius instat iter., Vers, 2-zeilig, Anbringungsort: unten, lateinisch
Monogramm: BR, verschlungen, Anbringungsort: Bogenfeld links, Schriftart: Majuskel

Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Graphische Sammlung, Inventar-Nr. P 10618, Kapsel-Nr. 927

Teil von: Bry, Theodor de, Obj.-Nr. 07010540, ICONES / QVINQVAGINTA VIRORVM / illustrium doctrina & erudi-tione praestantium ad vivum / effictae, cum eorum vitis / descriptis // a // Ian. Iac. Boissardo Vesunti: / Omnia recens in aes artificiose / incisa, et demum foras data // per // Theodorum de Bry Leodiens-/ civem francfurti / Anno M. D. XCVII., Buch, 1597-1599, Es handelt sich hierbei nach jüngeren Äußerungen in der Literatur um das vierbändige Porträtwerk 'Boissards Icones virorum illustrium' zu der Bry und seine Söhne die Illustrationen stachen und unter denen pro Band etwa 50 Bildnisse berühmter Männer der Renaissance enthalten waren. Das Porträtwerk erschien in 4 Teilen, der erste Band erschien 1597 (Titelblattinschrift des Bd. 1 s.o.), der zweite und dritte 1598, der vierte 1599. Jeder Band hat sein eigenes Titelblatt, welche geringfügig voneinander abweichen. Die Angaben zur Herstellung des Porträtwerks, die in der neueren Literatur zu finden sind, sind jedoch in Frage zu stellen. Besonders der mehrmalige Hinweis in der Literatur des 19. Jahrhundert (Füßli, Nagler), daß auch ein gewisser Robert Boissard als Stecher an dem Werk beteiligt gewesen sein soll; ein vermeintlicher Verwandter des Herausgebers und Zeichners Jean Jacques Boissard. Hierfür spricht ein regelmäßig aber nicht durchgängig erscheinendes Monogramm in den Stichen. Ein verschlungenes BR, welches zwar ebenso den Stechernamen Brys enthalten könnte, aber von der Logik eines standartmäßigen Monogramms aus dem Kürzel des Vornamen und des Nachnamen zusammengesetzt sein sollte und somit R für Robert und B für Boissard naheliegender erscheint. Das Monogramm selbst besitzt einen galanten Schwung im Buchstaben R, welches auch nach Nagler und Thieme-Becker der Hand Robert Boissards eindeutig zuzuordnen ist. Stilistische Unterschiede sind keine gravierenden festzustellen, zumal wohl im überwiegenden Fall nach bereits vorhandenen Vorbildern gestochen wurde und die Rahmenikonographie auch ein sehr ähnliches Programm aufweist. Dennoch wird Theodor de Bry immer wieder im Zusammenhang mit Boissards Porträtwerk namentlich als Stecher genannt. Zusammenfassend heißt das, daß an dem Porträtwerk höchst wahrscheinlich mindestens 3 Künstler wesentlich beteiligt waren, nämlich der Herausgeber und gleichzeitig Zeichner Jean Jacques Boissard, dessen Verwandter Robert Boissard mit den verschlungenen Initialen B und R und dann vor allem Theodor de Bry, der allerdings bereits während der Erstellung des Werkes 1598 starb und dessen Arbeit wahrscheinlich von seinen Söhnen weitergeführt wurden. Allerdings ordnen sowohl die älteren Kataloge wie Drugulin und die jüngeren, wie Singer die Bildnisse Theodor de Bry zu. Die Besonderheit dieser Bildnisse liegt in der Art und Weise der Rahmung. Die Dargestellten werden in zwei grundsätzlich verschiedene Rahmentypen eingefaßt: einmal in einer Rundbogenarchitektur und zum anderen in einem Ovalmedaillon. Beide Rahmentypen sind im Rechteck eingefügt, dessen Zwickel mit manieristischen Verzierungen aus Pflanzen- und Tierdarstellungen gefüllt sind. Bogen und Oval enthalten den Namen und den Beruf, bzw. eine Titulatur der dargestellten Person. Gleichfalls sind den Bildnissen des ersten Typus gemein, daß unterhalb der Halbporträts eine Art Ballustrade oder Tischfläche erscheint, auf bzw. in der eine Schrifttafel oder -rolle mit Angaben zum Geburtsort und -datum und zum Todesort und -datum gemacht werden, sofern sie bekannt sind. Wenn nicht, bleibt der Aspekt unausgefüllt. Oft erklärt sich ein fehlendes Datum dadurch, daß die Person als ein Zeitgenosse des Stechers noch nicht gestorben ist. Darüberhinaus ist der porträtierten Person ein charakterisierender Gegenstand beigefügt und erscheint auf der Höhe der Schrifttafel. Abschließend folgt als Bildunterschrift eine zweizeilige Lobrede, ein Distychon in Kursivschrift. Dies ist beiden Bildtypen gemein. In einigen Darstellungen nimmt Bry eindeutig Porträtwerke wie die Reusner-Ikonen oder Balthasar Jenichen-Bildnisse zum Vorbild, übernimmt die Art der Darstellung, Halbbildnis in zumeist Dreiviertel-Ansicht mit ganz spezifischen Kleidungsstücken und Beigaben, die den Porträtierten charakterisieren oder gar identifizierbar machen. (Berghaus, P., Das Bildnis des Arztes in der Graphik, in: Diepenbroick, Ärzte, Münster 1978, S. 25f.) Die Porträts Balthasar Jenichens werden in diesem Zusammenhang selten gesehen, vermutlich weil sie mehr als Einzelblätter und nicht als Buch erschienen. Dennoch ist davon auszugehen, daß die Balthasar Jenichen Bildnisse das früheste Vorbild gewesen sind, noch vor den Porträtwerken Sambucus', Reusners und Boissards. Und dadurch, daß es keinen Nachweis über einen Sammelband gibt, die Einzelblätter und -drucke größere Verbreitung und somit mehr Rezipienten und Nachahmer fanden. Wichtig ist in dem Zusammenhang, daß die Jenichen-Blätter von dem Stecher seitenrichtig kopiert wurden. Und darüberhinaus zumindest bei den bogenförmig gerahmten Porträts, wie bei Jenichen, die Rahmung eine identische Dreiteilung der Blätter bewirkt, die den Kopf des Abgebildeten ins obere Bilddrittel setzt - von der Titelinschrift mit seinem Namen und Beruftitel gerahmt - den Körper ins Mittelfeld setzt - den Dargestellten mit charakteristischer Kleidung und charakteristischem Beiwerk zeigt und wo auch das Monogramm des Stechers, BR für Bry oder Robert Boissard und BI für Jenichen, erscheint - und Vers und weitere Attribute ins untere Drittel setzt. Für das Gesamtwerk als solches jedoch sind Sambucus' und und Reusners Icones das unmittelbare Vorbild. Nur in ganz wenigen Bildnissen tauchen 'Klassiker' auf, d. h. Bildnisse, die nach Stichen berühmter Vorbilder z.B. von Dürer oder Cranach kopiert wurden.

Literatur: Drugulin, Porträt, 1860, Kat. Nr.: 23650

Bildnis aus dem Porträtwerk ICONES QVINQAGINTA VIRORVM von 1597-1599.

Permalink: http://www.portraitindex.de/documents/obj/33700027
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg